Brandenburg vernetzt
 

Neulietzegöricke

Vorschaubild

Das Dorf Neulietzegöricke hat 220 Einwohner, befindet sich im Landkreis Märkisch Oderland und gehört zum Amt Barnim-Oderbruch. Es wurde nach der Trockenlegung als erstes Kolonistendorf 1753 im Niederoderbruch gegründet.

Der Dorfraum umfasst einen rechteckiger Anger, der von beiden Seiten von zwei parallel liegenden Straßen begrenzt wird. Der Anger hat eine Breite von ca. 35 bis 40 Metern und wurde durch das Ausheben eines Schachtgrabens in der Mitte des Dorfes parallel zu den Grundstücken angelegt, der die Dorfanlage entwässern und Erdreich zum Erhöhen der Hofstellen gegen die Feuchtigkeit zur Verfügung stellen sollte.

Entlang der Straßenzüge ist die Bebauung mit Fachwerkhäusern in Traufstellung zur Straße gestaltet worden. Der Angerraum wird von einer Alleepflanzung, die beidseitig aus je einer Baumreihe besteht, eingefasst. Im gesamten Dorf kann man einen noch gut erhaltenen Großbaumbestand betrachten. Teilweise ist auch noch die typische Grenzbepflanzung mit Bäumen und Hecken im Schachtgraben vorhanden bzw. wurde neu angelegt.

Die Ortslage des Dorfes Neulietzegöricke ist ein noch heute weitestgehend nachvollziehbares Beispiel für ein planmäßig angelegtes Oderbruch-Kolonistendorf. Die Urform des Dorfes ist bis heute zum größten Teil erhalten geblieben und hebt sich von anderen Dorf- und Siedlungsformen ab. Sie besitzt daher Seltenheitswert und steht als Dorfanlage, mit den Fachwerkhäusern in Traufstellung, zwei Straßen, dem Schachtgraben und 13 Einzeldenkmälern, unter Denkmalschutz.

Die Ortslage trägt den Charakter eines Kunstdenkmals (Denkmal im Sinne der Landschaftsgestaltung – Angerbereich), eines technischen Denkmals (Schachtgraben und angeschütteten Hofstellen als Sachzeugen der Entwässerungs- und Bautechnologie).

Insgesamt befinden sich 64 Grundstücke in diesem historischen Bereich. Darauf befinden sich Wohnhäusern und Nebengebäuden, die ca. ab dem Jahr 1800 entstanden sind. Viele davon sind Einzeldenkmale, wie ebenfalls die Kirche von 1840, der Friedhof mit Kapelle, angelegt um 1770, ein Garten-/Bienenhaus (ca. 1780) mit Pyramidendach, der Dorfkrug „Zum Feuchten Willi“ (nach 1832) mit Saalanbau (um 1910/20 sowie das ehemalige Schulhaus (1909).

Die Einwohner von Neulietzegöricke legen sehr viel Wert darauf, dass die Dorfanlage als Ganzes seinen historischen Wert behält. Durch Pflege des Dorfangers und Rekonstruktion der Gebäude nach historischem Vorbild wurde schon viel für die Erhaltung der alten Bausubstanz getan. Die erwähnten Kriterien, die den Denkmalbereich ausmachen, sollen zukünftig noch sicht- bzw. erlebbarer gestaltet werden. Ziel ist es, dass bei der Erhaltung und teilweisen Rekonstruktion des Angers, seiner Bepflanzung und der Bebauung an den Rändern ein Zustand erreicht wird, der der Situation um 1850 bis 1860 nahe kommt.

Für diese Situation eines Kolonistendorfes stellt Neulietzegöricke mit seinem hohen noch vorhandenen Anteil an Fachwerkhäusern eine Sonderstellung unter den Kolonistendörfern des Oderbruchs dar.