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Fredersdorf

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Fredersdorf ist Ortsteil von Belzig, gehört zum Landkreis Potsdam Mittelmark und befindet sich mitten im Naturpark Hoher Fläming. In Sichtweite der Fläminghänge nimmt der Ort durch seine vorgeschobene Lage im Baruther Urstromtal eine Sonderstellung ein. Als einziges der westlichen Randdörfer liegt es ein Stück weit in den ansonsten siedlungsfreien Landschaftswiesen. Der im Zuge der deutschen Ostkolonisation gegründete Ort wurde 1313 erstmalig urkundlich erwähnt. Sein Ortsname bedeutet "Dorf des Friedrich" und weist wahrscheinlich auf seinen Gründer hin. Das Straßenangerdorf, dessen Ortsmitte die im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche bildet, verfügt außerdem über ein mittelalterliches Herrenhaus sowie über eine funktionsfähige historische Wassermühle. Obwohl es nach einer Brandkatastrophe in der Mitte des 19. Jahrhunderts teilweise zu Veränderungen hinsichtlich der Anordnung einzelner Grundstücke kam, sind ursprüngliche Strukturen gut erhalten geblieben. Um die auf einer leichten Anhöhe errichteten Kirche gruppieren sich ehemalige Bauerngehöfte, was sich zu beiden Seiten der Dorfstraße fortsetzt. Typische Vierseitenhöfe dominieren. Später wurde der Ort in südöstlicher Richtung erweitert, wodurch der Belziger/Fredersdorfer Bach nun das Dorf durchfließt. Die an seinem Ufer gelegene historische Wassermühle wurde zwar stillgelegt, verfügt jedoch über gut erhaltene Mühlentechnik, die zu Schauvorführungen genutzt werden kann. Das von der märkischen Familie von Oppen erbaute Herrenhaus wird zurzeit grundlegend restauriert. Trotz mehrmaliger An- und Umbauten blieb der barocke Kern des ehemaligen Gutshauses erhalten. Weit hin sichtbar präsentiert sich das exakt in Ost-West-Richtung erbaute Gotteshaus, dessen Turm eine Höhe von 30,8 Metern aufweist. Während der ursprüngliche Bau aus Feldsteinen besteht, wurden der spätere östliche Gruftanbau mit darüber liegender Herrschaftsloge sowie die höheren Turmteile aus Backstein gemauert. Zum reich ausgestatteten Innenbereich gehört ein Altaraufsatz aus der Spätrenaissance mit eindrucksvoller Schnitzarbeit. Die Orgel, einst vom Wittenberger Universitätsorgelbauer Johann Ephraim Hübner erbaut, stellt ein weiteres Kleinod dar. Obwohl die meisten der etwa 430 Einwohner Fredersdorfs heute nicht mehr unmittelbar von der Landwirtschaft leben, ist sie für die Infrastruktur des Ortes noch immer prägend. Neben einer Agrargenossenschaft betreiben mehrere Bauern im Haupt- und Nebenerwerb Ackerbau und Viehzucht. Die besondere Lage des Ortes führt wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet Belziger Landschaftswiesen zur Einbindung der Landwirtschaft in den Vertragsnaturschutz. Im nahe gelegenen europäischen Vogelschutzgebiet kommen neben anderen Wiesenbrütern auch die besonders gefährdeten Großtrappen vor. Eine Bäckerei sowie zwei Gaststätten, eine davon mit Pensionsbetrieb, gehören zu den Versorgungseinrichtungen des Ortes. Die ehemalige alte Schule beherbergt einen gut ausgestatteten Kindergarten. Für sportliche und gesellige Aktivitäten engagieren sich vor allem die Sportgemeinschaft und die freiwillige Feuerwehr. Zu einer touristischen Attraktion hat sich inzwischen das alljährlich stattfindende Bettenrennen entwickelt, das jeweils zu Pfingsten stattfindet. Eingeleitet wird das inzwischen traditionell und bereits zum Kult ernannte Volksfest mit dem Bettenball am Pfingstsonntag. Der attraktive Festplatz wird darüber hinaus auch für andere sportliche Veranstaltungen genutzt. Die zum Sportraum umfunktionierte ehemalige Konsumverkaufsstelle in der Schulstraße bietet Trainingsmöglichkeiten für Freizeitsportler mehrerer Sektionen, wirkt überörtlich und ist Betätigungsstätte bereits für die Kleinsten der Gemeinde. Das Schwimmbad mit Kleinsportanlage wird während der Sommermonate, vor allem von Kindern und Jugendlichen, gern genutzt. Zur evangelischen Kirchengemeinde gehört ein Kirchenchor. Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass es weiterer Maßnahmen bedarf, um die Attraktivität des Dorfes zu steigern. Unbefriedigend erscheint vor allem der Zustand öffentlicher Plätze. Insbesondere betrifft das den Dorfplatz, das Gelände am Kriegerdenkmal, den Kirchhof, den Platz hinter der Alten Schule und die Schulstraße. Gerade die historische Dorfmitte sollte so gestaltet werden, dass sie wieder zu einem echten Dorfmittelpunkt wird. Mit Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern, die mit bereits vorhandenen Bäumen harmonieren ließe sich eine grüne Oase mitten im Dorf schaffen. Integrierte Sitzplätze könnten neue Begegnungsstätten schaffen. Wichtig wäre es auch, für einen ordentlichen Zustand der Wege um den Platz herum zu sorgen. Um dem Abwandern junger Leute entgegenzuwirken, sollte ihre Verbundenheit zum Heimatort besonders gefördert werden. Dazu gilt es, vorhandene Spiel- und Sportmöglichkeiten unbedingt zu erhalten und gegebenenfalls zu ergänzen. Der Aufwertung der Schulstraße und dem anliegenden Gebäude des Sportvereins kommt große Bedeutung zu. Die Schulstraße bietet dem Betrachter über den Zugang zum Freibad den Blick auf das Herrenhaus. Hier gilt es, durch aufwertende Maßnahmen den harmonischen Übergang zu schaffen. Alte Traditionen, wie beispielsweise das Errichten der Pfingstmaie auf dem Dorfplatz sollten weiterhin gepflegt werden. Touristische Hinweise und Beschilderungen auch für gezielte Wanderungen in die Umgebung runden die Maßnahmen ab. Im Jahre 1999 wurde mit der Erarbeitung einer Gestaltungssatzung begonnen, jedoch nicht zu Ende geführt. Die Gestaltungssatzung spricht von einem räumlichen Geltungsbereich, der sich auf den Bereich des alten Straßenangerdorfes (heute Hauptstraße), sowie des Herrenhauses (Schulstraße und Lindenstraße) erstreckt. Dieser Geltungsbereich soll auch durch die AG Historische Dorfkerne im Land Brandenburg Beachtung finden. Gelingt es, die Heimatverbundenheit der Einwohner auf diese Weise zu stärken, könnte dieser ein zukunftsträchtiger Weg für Fredersdorf sein.